…..ich hatte Angst !

Artikel in der Neuen Tageszeitung 11.3.2020 von Karin Gamper

Kurt Duschek, weitum bekannter Gemeinderat in Meran, war mit Corona infiziert und hat die Krankheit überstanden. Der bald 73-Jährige über die Symptome, die zweiwöchige Quarantäne und warum er sich nun in den Dienst der Allgemeinheit stellen möchte.

Tageszeitung: Herr Duschek, seit Donnerstag haben Sie es schwarz auf weiß: Sie haben Ihre Covid-19-Infektion überstanden und können wieder raus aus der Quarantäne. Vermutlich sind Sie mehr als nur erleichtert?

Kurt Duschek: Allerdings. Mich hat diese Infektion sehr belastet. Sie kam wie ein Schlag aus heiterem Himmel. Ich habe, als die ersten Corona-Fälle aufgetreten sind, mir immer gedacht: Jaja, das wird schon vorbeigehen. Aber jetzt wurde ich eines Besseren belehrt. Meine Erkenntnis ist: Das Einzige was wir wissen ist, dass wir nichts wissen. Dieses Virus wird alles verändern.

Hatten Sie Angst?

Ich hatte Angst um mein Leben und das gebe ich gerne zu. Man darf nicht vergessen: Viele Menschen, bei denen die Infektion festgestellt wurde, waren nach drei Tagen tot. Wenn man Pech hat, kann das passieren. Wer sich das nicht eingesteht, der hat nichts verstanden vom Ernst der Lage.

Welche Symptome hatten Sie?

Halsschmerzen, Stimmverlust und Fieber. Ich wurde dann positiv getestet. Ab dem 26. März befand ich mich in Quarantäne. Vor zwei Tagen habe ich das Ergebnis des letzten Tests erhalten. Es war negativ, die Quarantäne ist daher beendet und mir geht es auch wieder gut. Nur die Halsschmerzen sind geblieben.

Sind Sie jetzt immun gegen die Krankheit?

Mein Hausarzt sagt ja. D.h. ich kann nicht mehr angesteckt werden und die Krankheit nicht über Tröpfchen oder den Atem weitergeben. Vorsicht ist dennoch geboten, denn ich kann wie alle anderen auch über Handschuhe usw. weiterhin Überträger des Virus sein.

Dürfen Sie sich aufgrund Ihrer Immunität frei bewegen?

Nein, ich muss mich wie alle anderen an die Ausgangsbeschränkungen und Sicherheitsmaßnahmen halten. Ich muss auch das Attest mitführen, das beweist, dass ich nicht mehr unter Quarantäne stehe.

Wie haben Sie die zweiwöchige Quarantäne erlebt?

Anfangs hatte ich stark unter Ängsten zu leiden. Ich war verzweifelt und in einer depressiven Stimmung. Aufmunternd und sehr hilfreich waren die Gespräche in der Familie und die Freunde und Nachbarn, die uns mit Lebensmitteln versorgt haben. Die Zeit habe ich damit zugebracht, mich über die Krankheit selbst und ihren Verlauf zu informieren. Mit dem deprimierenden Ergebnis, dass es keine gesicherten Erkenntnisse gibt.

Wie geht es jetzt weiter?

Ich hatte großes Glück und möchte deshalb der Gesellschaft etwas zurückgeben. Wer Hilfe braucht, den möchte ich unterstützen, z.B. mit Einkäufen oder sonstigen unterstützenden Tätigkeiten. Ich habe deshalb dem Bürgermeister bereits eine Email geschickt und auch dem Krankenhaus mitgeteilt, dass ich bereits stehe, sollte man mich als Immunen brauchen.

Wissen Sie, wo Sie sich angesteckt haben könnten?

Nein, ich habe nur eine Vermutung.

Sie haben vor zwei Wochen auf Facebook mitgeteilt, dass Sie infiziert sind und Hunderte von Rückmeldungen erhalten.

Der Post auf Facebook war für mich wie ein Hilfeschrei. Ich war gerührt über die vielen Menschen quer durch alle politischen und ideologischen Lager, die mir baldige Genesung gewünscht haben.

Interview: Karin Gamper

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1 Gedanke(n) zu / Pensiero su “…..ich hatte Angst !

  1. Freue mich für Sie, dass sie es überstanden haben! Die Angst war mehr als berechtigt, bei dieser schweren und unberechenbaren Krankheit.
    Schön,dass Sie jetzt Anderen helfen wollen.

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